Lampertheim/ 9. Juli 2026. Auch beim zweiten Warnstreik bei Betonstahl Lampertheim haben die Beschäftigten ein klares Zeichen gesetzt. Rund 50 Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich an der Aktion und machten deutlich, dass sie weiterhin geschlossen hinter ihrer Forderung stehen: Die vollständige Übernahme des Tarifergebnisses der Metall- und Elektroindustrie in Hessen von 2024. Dies wurde bis heute nicht weitergegeben, obwohl dies in einem Anerkennungstarifvertrag vorgesehen ist.
Solidarität innerhalb der Belegschaft
Besonders eindrucksvoll war erneut die Solidarität innerhalb der Belegschaft. Auch Beschäftigte aus der Nachtschicht, die erst morgens um sechs Uhr ihre Arbeit beendet hatten, kamen in ihrer Freizeit zum Warnstreik um 13 Uhr hinzu. Damit zeigten sie: Der Zusammenhalt im Betrieb ist stark, die Unterstützung für die Forderungen groß. Die Produktion stand 2 Stunden still. Auch viele Kinder von Beschäftigten waren dabei und haben begeistert ihre Eltern unterstützt.
Die Beschäftigten machten mit lautstarken Beiträgen und großer Geschlossenheit deutlich, dass sie sich weder beirren noch einschüchtern lassen. Im Mittelpunkt steht für sie die Anerkennung ihrer Arbeit, die Übernahme des kompletten Tarifergebnisses und ein fairer Umgang auf Augenhöhe.
Matthias Kapp, Betriebsratsvorsitzender bei Betonstahl Lampertheim und aktiver IG Metaller, betonte in seiner Rede:
„Wir streiken nicht gegen Menschen. Wir streiken für faire Bedingungen. Uns geht es um Respekt vor der Leistung der Beschäftigten, Respekt vor tariflichen Vereinbarungen und Respekt vor einem fairen Miteinander. Ein rechtmäßiger Warnstreik ist ein gesetzlich geschütztes Recht. Niemand sollte Angst haben müssen, dieses Recht wahrzunehmen. Wir bleiben ruhig, sachlich und geschlossen — und wir wollen eine vernünftige Lösung am Verhandlungstisch.“
Kapp erinnerte daran, dass die Beschäftigten in den vergangenen Jahren viel geleistet haben. Trotz schwieriger Bedingungen, zusätzlicher Aufgaben und Veränderungen hätten sie den Betrieb zuverlässig am Laufen gehalten. Diese Leistung verdiene Anerkennung.
Unterstützung vom DGB Südhessen
Unterstützung erhielten die Beschäftigten auch vom DGB Südhessen. Horst Raupp, Gewerkschaftssekretär des DGB Südhessen, ordnete die Forderung zugleich regionalwirtschaftlich ein:
„Die Beschäftigten bei Betonstahl Lampertheim arbeiten hart. Ihr habt die geforderte Lohnerhöhung, Respekt und Wertschätzung im wahrsten Sinne des Wortes verdient. Die Kaufkraft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist ein entscheidender Faktor, um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln. Das kann nur funktionieren, wenn die Beschäftigten deutlich mehr Geld in der Tasche haben. Von starken Tarifverträgen profitiert die Region – der Bäcker, der Metzger, der Supermarkt, das Handwerk, die Gastronomie und die Kulturtreibenden.“
Joshua Steen, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Darmstadt, sorgte mit seinen kämpferischen und motivierenden Worten für viel Stimmung unter den Warnstreikenden: „Wer jeden Tag Leistung bringt, hat auch das Recht auf die volle Tarifsteigerung. Kein Rabatt auf Respekt, kein Rabatt auf Wertschätzung – volle Leistung heißt voller Tarif!“ und Steen weiter: „Heute zeigen wir: Wir sind viele, wir sind laut und wir stehen zusammen. Wer die Beschäftigten ignoriert, bekommt unsere Antwort direkt vor dem Werkstor zu hören!“
Auch Anusch Cascorbi, ebenfalls Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Darmstadt würdigte in seiner Rede insbesondere den starken Zusammenhalt der Beschäftigten und ihrer Familien:
„Es bewegt mich zu sehen, wie Kolleginnen und Kollegen füreinander einstehen. Hier stehen nicht Einzelne, hier steht eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig trägt und unterstützt. Genau dieser Zusammenhalt macht die IG Metall und starke Belegschaften aus.“. Er ergänzte: „Dass Beschäftigte nach ihrer Nachtschicht noch zum Warnstreik kommen und sogar ihre Familien mitbringen, zeigt eindrucksvoll: Es geht hier um mehr als Geld. Es geht um Anerkennung, Gerechtigkeit und darum, gemeinsam für eine bessere Zukunft einzustehen.
Warnstreik ein voller Erfolg
Die IG Metall Darmstadt bewertet den zweiten Warnstreik als vollen Erfolg. Die Beteiligung, die Stimmung und die Entschlossenheit der Beschäftigten zeigten deutlich, dass die Forderung nach vollständiger Übernahme des Tarifergebnisses weiterhin mit Nachdruck vertreten wird. Der Zusammenhalt in der Belegschaft ist sehr groß und wuchs mit der Verweigerungshaltung des Arbeitgebers noch zusätzlich.
Tom Kehrbaum, Geschäftsführer und 2. Bevollmächtigter der IG Metall Darmstadt, erklärte:
„Der zweite Warnstreik bei Betonstahl Lampertheim war wieder ein starkes Signal. Die Beschäftigten stehen zusammen, sie lassen sich nicht einschüchtern und sie wissen genau, was ihre Arbeit wert ist.“
Kehrbaum kritisierte, dass die Beschäftigten nicht allein mit den steigenden Lebenshaltungskosten gelassen werden dürften:
„Die Stahlindustrie bekommt aktuell politische Unterstützung, bessere Rahmenbedingungen und mehr Planungssicherheit. Aber genau deshalb ist klar: Diese Unterstützung darf nicht nur bei den Unternehmen ankommen, sondern ebenso bei den Beschäftigten. Wer jeden Tag dafür sorgt, dass produziert wird, wer zusätzliche Aufgaben übernimmt und den Betrieb am Laufen hält, darf nicht mit höheren Preisen, steigenden Spritkosten und wachsendem Druck allein gelassen werden.“
Klare Botschaft aus Lampertheim
Die IG Metall fordert die Arbeitgeberseite auf, sich zu bewegen und eine tragfähige Lösung am Verhandlungstisch zu ermöglichen. Die Beschäftigten hätten heute erneut gezeigt, dass sie bereit sind, ihre Forderungen auch mit weiteren Maßnahmen durchzusetzen. Sollte sich der Arbeitgeber weiter verweigern sind weitere Warnstreiks bis hin zu einer Urabstimmung über einen unbefristeten Streik möglich.
Kehrbaum weiter:
„Die Botschaft aus Lampertheim ist eindeutig: Die Belegschaft bleibt ruhig, sachlich und geschlossen — aber sie bleibt auch konsequent. Die vollständige Übernahme des Tarifergebnisses ist aus unserer Sicht das Mindeste. Jetzt ist die Arbeitgeberseite am Zug.“